Ihre zehnjährige Zinsbindung aus 2016 läuft jetzt aus. Statt 1,5 % zahlen Sie ab sofort rund 4 % – das sind bei einer typischen Restschuld von 220.000 € etwa 625 € mehr pro Monat. Drei Strategien stehen Ihnen offen. Welche zu Ihrer Situation passt – und wie ein Forward-Darlehen den Zinssprung um Jahre nach hinten schiebt.
Die Zahlen dieses Artikels stammen aus dem Mai. Seither hat die EZB am 11. Juni die Leitzinsen erstmals seit drei Jahren angehoben (Einlagesatz 2,00 % → 2,25 %) und am 23. Juli eine Pause eingelegt. Bei den Anschlusszinsen ist davon wenig angekommen: Das Niveau liegt weiter bei rund 3,7–4,0 % effektiv. Neu ist die Richtung der Erwartung – und die verschiebt das Kalkül beim Forward-Darlehen deutlich. Siehe die beiden neuen Abschnitte am Ende.
Im Jahr 2016 lag der durchschnittliche Bauzins für eine zehnjährige Zinsbindung bei rund 1,5 %. Viele Eigentümer haben damals Darlehen mit niedriger Tilgung (typisch 1 %) aufgenommen – in der Erwartung, dass sich die Zinsen langfristig auf niedrigem Niveau einpendeln. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt: Im Mai 2026 liegt der effektive Zins für eine zehnjährige Anschlussfinanzierung bei rund 4 %, in den letzten Wochen sogar darüber.
Konkret: Wer 2016 ein Darlehen über 300.000 € mit 1,5 % Zins und 1 % Tilgung aufgenommen hat, zahlt aktuell etwa 625 € monatlich. Nach Ablauf der Zinsbindung beträgt die Restschuld noch rund 220.000 €. Refinanziert man diese Restschuld nun zu 4 % und 2 % Tilgung, sind monatlich rund 1.100 € fällig – ein Mehraufwand von 475 € pro Monat, in vielen Fällen auch mehr.
Drei Strategien stehen Ihnen offen. Welche die beste ist, hängt ab von: Ihrer Liquidität, Ihrer Lebensplanung und davon, ob Sie das Objekt langfristig halten wollen.
Sie refinanzieren die Restschuld zu aktuellen Konditionen – bei Ihrer bisherigen Bank oder bei einer anderen. Letzteres ist meistens günstiger, weil Banken im Bestand selten den besten Marktzins anbieten.
Wann sinnvoll? Wenn Sie genug Liquidität für die höhere Rate haben, das Objekt langfristig behalten wollen und keine Lust auf Umzug oder Verkauf.
Mein Tipp: Holen Sie Angebote von mindestens drei Banken ein. Über meinen Zugang zu 450+ Bankpartnern liegt der Spread zwischen bestem und schlechtestem Angebot regelmäßig bei 0,3–0,5 Prozentpunkten – bei 220.000 € Restschuld sind das über zehn Jahre rund 10.000 € Zinsersparnis.
Achtung: Wechseln Sie die Bank, brauchen Sie eine Grundschuldabtretung. Die kostet zwischen 0,1 % und 0,2 % der Grundschuldsumme – oft trotzdem deutlich günstiger als der schlechtere Zins der Bestandsbank.
Endet Ihre Zinsbindung erst in 12–36 Monaten? Dann sichern Sie sich heute schon den Zins von morgen – mit einem Forward-Darlehen. Sie schließen den Vertrag jetzt ab, das Darlehen wird aber erst zum Ablauf Ihrer aktuellen Bindung ausgezahlt. Bis dahin zahlen Sie keine Zinsen – allerdings einen Forward-Aufschlag von typisch 0,01–0,03 % pro Monat Wartezeit.
Wann sinnvoll? Wenn Sie glauben, dass die Zinsen weiter steigen, und planungssichere monatliche Raten wünschen.
Rechenbeispiel: Bei 24 Monaten Forward und 0,02 %/Monat Aufschlag zahlen Sie 0,48 % mehr Zins als aktuell. Steigen die Zinsen im gleichen Zeitraum aber um 0,8 Prozentpunkte (was viele Analysten erwarten), haben Sie pro Jahr rund 700 € gespart.
Achtung: Sie müssen das Forward-Darlehen abnehmen – auch wenn die Zinsen wider Erwarten fallen. Das ist eine Wette gegen die Marktentwicklung.
Wenn Sie ohnehin eine Modernisierung planen (Heizungstausch, Dämmung, Bad), kombinieren Sie Anschlussfinanzierung und Modernisierungsdarlehen in einem Vertrag. Vorteil: Sie nutzen die ohnehin fällige Refinanzierung, um die Modernisierung zu denselben günstigen Baufi-Konditionen zu finanzieren – statt teurer Konsumentenkredite mit 6–8 % Zinsen.
Wann sinnvoll? Wenn das Objekt energetisch sanierungsbedürftig ist (GEG/GMG-Anforderungen ab 1. Juli 2026!) oder eine Renovierung ansteht.
Hebel: Wenn die Modernisierung KfW-förderfähig ist (KfW 261, KfW 270, BAFA-Heizungsförderung), reduzieren sich die effektiven Kosten zusätzlich um 25–45 %.
Mein Tipp: Lassen Sie vor der Anschlussentscheidung einen Energieberater ans Haus – die Beratung wird mit bis zu 80 % bezuschusst und liefert die nötigen Förderbescheide.
Ein vierter Weg, der oft unterschätzt wird: Verkaufen vor dem Zinssprung. Klingt drastisch, kann aber in zwei Situationen die wirtschaftlich beste Wahl sein.
Fall A: Sie haben das Objekt 2016–2018 zu einem Spitzenpreis gekauft. Die Restschuld liegt bei 220.000 €, der aktuelle Marktwert in München je nach Lage bei 450.000 €–500.000 €. Nach Verkauf bleibt ein deutlicher Gewinn – den Sie steuerfrei einsetzen können, sobald die zehnjährige Spekulationsfrist abgelaufen ist (Stichtag: Kaufdatum + 10 Jahre).
Fall B: Die Mehrbelastung von 500–700 €/Monat überfordert Ihr Haushaltsbudget – und ein günstiger Anbau in der Nähe wäre eine echte Alternative. Hier zählt: Klarheit vor Notverkauf. Sprechen Sie früh mit mir, dann haben wir 6–12 Monate Vorlauf für einen geordneten Verkauf statt einer Zwangsverwertung.
Die im Mai genannten „rund 4 %“ waren eher das obere Ende. Drei Monate später ist die Datenlage präziser:
Für das Rechenbeispiel oben heißt das: Statt 4,0 % sind bei sauberer Ausschreibung eher 3,8 % erreichbar. Auf 220.000 € Restschuld sind 0,2 Prozentpunkte über zehn Jahre rund 4.000 €. Der Zinsschock von 1,5 % auf knapp 4 % bleibt damit die richtige Kernaussage – die Mehrbelastung fällt bei gutem Angebot aber etwas niedriger aus als im Mai kalkuliert.
Strategie 2 oben beschreibt das Forward-Darlehen als „Wette gegen die Marktentwicklung“. Diese Wette sieht nach dem 11. Juni anders aus als im Mai. Damals war der Marktkonsens, dass die EZB stillhält und im Dezember erstmals senkt. Tatsächlich hat sie erhöht – und Christine Lagarde hat nach der Juli-Pause eine weitere Erhöhung im September ausdrücklich offengelassen.
Was das praktisch bedeutet, wenn Ihre Bindung in 12–36 Monaten ausläuft:
Mein Rat für August 2026: Wenn Ihre Bindung 2027 oder 2028 endet, lassen Sie jetzt einen Forward rechnen – nicht zwingend abschließen. Der Vergleich zwischen Aufschlag heute und Risiko einer September-Erhöhung ist in zwanzig Minuten gemacht und kostet Sie nichts.
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