Was eine Sterbegeldversicherung ist
Eine Sterbegeldversicherung ist eine kleine Kapitallebensversicherung mit einem einzigen Zweck: Sie zahlt beim Tod der versicherten Person einen festen Betrag aus, aus dem die Bestattung bezahlt werden soll. Typisch sind Summen im niedrigen fünfstelligen Bereich. Sie gilt lebenslang und endet nicht mit einem Endalter.
Der Grund, warum es sie gibt, ist eine konkrete Gesetzesänderung: Das gesetzliche Sterbegeld der Krankenkassen wurde 2004 gestrichen. Seither tragen die Angehörigen die Kosten vollständig selbst — und zwar die unterhaltspflichtigen Verwandten, auch dann, wenn sie das Erbe ausschlagen.
Dass dieses Produkt so oft beworben wird, hat allerdings noch einen zweiten Grund: Es lässt sich gut verkaufen, weil es an ein Schuldgefühl rührt. Deshalb hier zuerst die Rechnung, dann die Empfehlung.
Die Rechnung, die vor der Entscheidung kommt
Es gibt eine einzige Rechnung, die Sie machen müssen. Sie braucht drei Zahlen aus Ihrem Angebot:
Monatsbeitrag × 12 × erwartete Restlebensdauer in Jahren — verglichen mit der Versicherungssumme.
Wer mit 70 abschließt und statistisch noch etwa 15 Jahre vor sich hat, zahlt bei 40 € monatlich rund 7.200 € ein. Liegt die vereinbarte Summe bei 8.000 €, bleibt ein kleiner Überschuss. Wird derjenige 90, sind es 9.600 € eingezahlte Beiträge — mehr, als am Ende ausgezahlt wird.
Das ist kein Vorwurf an die Anbieter, sondern die Logik des Produkts: Es ist eine Versicherung, keine Geldanlage. Der Wert liegt nicht in der Rendite, sondern in der Sofortwirkung — die volle Summe steht bereit, auch wenn Sie kurz nach Abschluss versterben. Ein Sparplan hätte in diesem Fall nur die ersten Raten angesammelt.
Damit ist die Entscheidungsfrage geklärt: Es geht nicht darum, ob sich das Produkt „lohnt". Es geht darum, ob Sie das Risiko absichern wollen, zu früh zu versterben — bevor genug angespart ist.
Für wen sie sinnvoll ist
Drei Konstellationen, in denen die Antwort klar ja lautet:
1. Sie sind älter und bekommen keine Risikolebensversicherung mehr. Die meisten Anbieter nehmen ab Mitte 60 niemanden mehr neu auf, und mit Vorerkrankungen wird es früher schwierig. Sterbegeldversicherungen dagegen sind oft bis 80 Jahre oder darüber abschließbar, häufig ganz ohne Gesundheitsfragen. Dann ist sie schlicht das, was noch geht.
2. Sie haben keine ausreichenden Rücklagen und werden sie nicht mehr aufbauen. Wenn absehbar ist, dass am Monatsende nichts übrig bleibt, ist ein fester Beitrag verlässlicher als ein Sparvorsatz. Der Betrag ist zweckgebunden und nicht in Versuchung.
3. Ihnen ist wichtig, dass niemand belastet wird. Das ist kein finanzielles, sondern ein persönliches Argument — und es ist ein legitimes. Wer die Vorstellung nicht erträgt, dass die Kinder die Bestattung aus eigener Tasche zahlen oder beim Sozialamt einen Antrag stellen müssen, kauft mit dem Beitrag ein beruhigtes Gewissen. Das darf man wollen.
Für wen es bessere Wege gibt
Ebenso klar sind die Fälle, in denen ich abrate:
Sie sind unter 60 und gesund. Dann bekommen Sie eine Risikolebensversicherung — und die deckt pro Beitrags-Euro ein Vielfaches ab. Wer eine Familie und eine laufende Finanzierung hat, braucht ohnehin die größere Lösung; die Bestattungskosten sind darin ein Rundungsfehler.
Sie können den Betrag ansparen. Ein separates Tagesgeldkonto mit Dauerauftrag erreicht dieselbe Summe, bleibt jederzeit verfügbar und bringt Zinsen statt Verwaltungskosten. Der Nachteil: Es wirkt erst, wenn genug angespart ist. Die Frage ist also, ob Sie diese Zeit haben.
Sie haben bereits eine Kapitallebensversicherung oder ausreichend Vermögen. Dann existiert die Lücke gar nicht. Eine zusätzliche Police kostet Beitrag für ein Risiko, das bereits gedeckt ist — der häufigste Befund, wenn ich bestehende Verträge durchsehe.
Worauf beim Abschluss zu achten ist
Wenn Sie sich dafür entscheiden, entscheiden vier Punkte über die Qualität:
| Punkt | Warum er zählt |
|---|---|
| Wartezeit | Tarife ohne Gesundheitsprüfung haben meist ein bis drei Jahre Wartezeit. Wer davor verstirbt, bekommt oft nur die eingezahlten Beiträge zurück — Unfalltod ist in der Regel ausgenommen. Wer gesund ist, sollte zuerst prüfen lassen, ob eine Risikolebensversicherung noch möglich ist — dort gibt es den vollen Schutz ab dem ersten Tag. |
| Beitragszahlungsdauer | Läuft der Beitrag lebenslang oder endet er mit einem festen Alter (etwa 85)? Endende Beiträge begrenzen die Gesamtbelastung erheblich. |
| Beitragsbefreiung | Was passiert bei Pflegebedürftigkeit? Manche Tarife stellen den Vertrag dann beitragsfrei. |
| Bezugsrecht | Wer bekommt das Geld? Ein direktes Bezugsrecht auf eine Person sorgt dafür, dass die Summe schnell verfügbar ist — nicht erst nach Klärung des Nachlasses. Genau daran scheitert es sonst, denn Bestatter stellen ihre Rechnung binnen Wochen. |
Und die Summe: Holen Sie ein konkretes Angebot bei einem örtlichen Bestatter ein, statt mit Durchschnittswerten zu rechnen. Die Spanne zwischen einer einfachen Feuerbestattung mit Urnengrab und einer Erdbestattung mit Wahlgrab, Trauerfeier und Stein ist erheblich. In München liegen die Friedhofsgebühren über dem Bundesdurchschnitt, und die Grabpflege über 20 Jahre fehlt in fast jeder Kalkulation.
Was passiert, wenn nichts vorgesorgt ist
Damit die Alternative klar ist — die gesetzliche Reihenfolge:
- Die Erben zahlen aus dem Nachlass.
- Reicht der Nachlass nicht, haften die unterhaltspflichtigen Angehörigen — in der Regel Ehepartner und Kinder. Das gilt auch dann, wenn das Erbe ausgeschlagen wurde: Die Bestattungspflicht folgt dem Landesrecht und der Unterhaltspflicht, nicht der Erbenstellung.
- Reicht auch deren Einkommen nicht, kann beim Sozialamt die Übernahme der erforderlichen Kosten nach § 74 SGB XII beantragt werden. Das funktioniert, ist aber an eine Bedürftigkeitsprüfung gebunden und deckt nur das Notwendige.
Niemand bleibt also unbestattet. Aber für viele Menschen ist genau der zweite und dritte Punkt der Grund, überhaupt vorzusorgen — nicht die Rendite.
Mein Rat in einem Satz
Machen Sie die Rechnung, bevor Sie unterschreiben, und prüfen Sie zuerst, ob eine Risikolebensversicherung noch möglich ist. Wenn ja, ist sie fast immer die bessere Lösung. Wenn nein und die Rücklagen fehlen, ist die Sterbegeldversicherung ein ehrliches Produkt für einen klar umrissenen Zweck — vorausgesetzt, Wartezeit, Beitragsdauer und Bezugsrecht stimmen.
Wenn Sie unsicher sind, was auf Ihre Situation zutrifft: Im Erstgespräch schauen wir uns an, was Sie bereits haben. Häufig ist die Lücke kleiner als vermutet — und manchmal lautet das Ergebnis, dass ein bestehender Vertrag gekündigt gehört, weil er dasselbe Risiko doppelt abdeckt.
Kostenfrei und unverbindlich, auf Deutsch, Englisch oder Portugiesisch — in München-Pasing, per Video oder telefonisch.