Die Frage, die vor dem Zinssatz kommt
Eine Baufinanzierung absichern heißt: dafür sorgen, dass die Rate auch dann bedient wird, wenn das Einkommen dahinter ausfällt. Die Immobilie selbst ist dabei nicht das Problem — sie steht. Das Problem ist die monatliche Verpflichtung, die 25 bis 35 Jahre lang unverändert weiterläuft.
Beim Abschluss richtet sich die Aufmerksamkeit fast vollständig auf den Zinssatz. Verständlich: Er ist die sichtbare Zahl, und 0,1 Prozentpunkte machen über zehn Jahre schnell einen fünfstelligen Unterschied. Nur schützt der beste Zinssatz nicht davor, dass drei Jahre später ein Bandscheibenvorfall die Berufstätigkeit beendet.
Diese Seite stellt die drei realistischen Szenarien nebeneinander — mit dem, was gesetzlich kommt, dem, was fehlt, und dem Baustein, der die Lücke schließt.
Der Rechenfall
Damit die Zahlen nicht im Abstrakten bleiben, ein typischer Münchner Fall:
- Ehepaar, 38 und 36 Jahre, ein Kind
- Eigentumswohnung, Darlehen 640.000 €
- Rate 2.800 € monatlich, dazu 600 € Nebenkosten, Versicherungen und Rücklage für die Instandhaltung
- Fixkosten insgesamt: 3.400 €
- Nettoeinkommen: 3.400 € (Partner A) und 2.000 € (Partner B) — zusammen 5.400 €
- Rücklagen: 15.000 €
Solange beide arbeiten, bleiben nach den Fixkosten 2.000 € für Leben, Auto und Urlaub. Es ist eng gerechnet, aber es geht auf — so sehen die meisten Finanzierungen in München aus.
Szenario 1: Partner A wird berufsunfähig
| Betrag | |
|---|---|
| Fixkosten | 3.400 € |
| Erwerbsminderungsrente (Schätzung: 32 % des Bruttos abzüglich KV/PV) | ca. 1.370 € |
| Einkommen Partner B | 2.000 € |
| Verfügbar | 3.370 € |
| Nach Fixkosten fehlen | 30 € |
Die Fixkosten sind damit nicht mehr gedeckt — es fehlen 30 € im Monat, und das ist der Stand, bevor ein Cent für Lebensmittel, Kleidung, Mobilität oder Kindergarten ausgegeben wurde. Von den 2.000 €, die vorher frei verfügbar waren, ist nichts übrig.
Die Rücklage von 15.000 € trägt das eine Weile. Aber sie trägt es gegen eine Dauer, die sich in Jahren bemisst, nicht in Monaten — und sie ist danach weg, auch für alles andere.
Und der Fall ist noch günstig gerechnet. Zwei Verschärfungen sind Alltag:
- Die Erwerbsminderungsrente kommt oft gar nicht. Sie setzt voraus, dass Sie keine Tätigkeit mehr über sechs Stunden täglich ausüben können — irgendeine, nicht Ihre. Wer den erlernten Beruf aufgeben muss, aber theoretisch etwas anderes könnte, geht leer aus. Die volle Erwerbsminderungsrente liegt im Bestand bei rund 1.040 € Zahlbetrag (Deutsche Rentenversicherung, Stand 31.12.2024) — nach Kranken- und Pflegeversicherung, aber vor Steuern.
- Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Etwa jeder vierte Arbeitnehmer wird im Lauf des Erwerbslebens berufsunfähig (Deutsche Aktuarvereinigung). Das Durchschnittsalter beim Eintritt liegt bei 48 Jahren — mitten in der Zinsbindung. Rund 38 % der Fälle gehen auf psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems zurück (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft), also auf Ursachen, gegen die kein Bürojob schützt.
Der passende Baustein: eine Berufsunfähigkeitsversicherung, deren monatliche Leistung die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und tatsächlichem Bedarf schließt. Wie man deren Höhe bestimmt und worauf es in den Bedingungen ankommt, steht auf Berufsunfähigkeit absichern.
Szenario 2: Partner A stirbt
| Betrag | |
|---|---|
| Fixkosten | 3.400 € |
| Einkommen Partner B | 2.000 € |
| Witwen-/Witwerrente (55 % der Anwartschaft, bei 38 Jahren gering) | einige hundert Euro |
| Lücke, konservativ gerechnet | rund 1.400 € monatlich |
Hier wird die Rechnung unerbittlich. Die Rate von 2.800 € übersteigt allein schon das verbleibende Einkommen. Die Witwenrente ist kein Einkommensersatz: Sie beträgt 55 % der Rente, die dem Verstorbenen zugestanden hätte — bei einem 38-Jährigen mit wenigen Beitragsjahren ist diese Anwartschaft klein. Zudem wird eigenes Einkommen oberhalb eines Freibetrags angerechnet.
Praktisch bedeutet das: Ohne Absicherung muss die Immobilie verkauft werden. Häufig unter Zeitdruck, häufig also unter Wert — und mit Vorfälligkeitsentschädigung, wenn die Zinsbindung noch läuft.
Der passende Baustein: eine Risikolebensversicherung. Für die Summe gibt es zwei Denkschulen — Restschuld absichern oder den Einkommensausfall abfedern —, und die richtige Antwort ist meistens eine Kombination. Details auf Risikolebensversicherung bei der Baufinanzierung.
Szenario 3: Partner A verliert den Job
| Betrag | |
|---|---|
| Fixkosten | 3.400 € |
| Arbeitslosengeld I (67 % netto, mit Kind) | ca. 2.280 € |
| Einkommen Partner B | 2.000 € |
| Verfügbar | 4.280 € |
| Nach Fixkosten bleibt | 880 € |
Eng, aber tragbar — und vor allem befristet. Das Arbeitslosengeld I läuft je nach Alter und Beitragszeit zwölf Monate oder länger, und in dieser Zeit ist die Rückkehr in Arbeit der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Genau deshalb ist dieses Risiko das einzige der drei, das man nicht über eine Versicherung lösen sollte. Rücklagen von drei bis sechs Monatsraten auf einem Tagesgeldkonto erledigen die Aufgabe besser: Sie sind sofort verfügbar, an keine Bedingung geknüpft, für jeden Zweck einsetzbar — und sie kosten keinen laufenden Beitrag. Im Rechenbeispiel entsprechen 15.000 € Rücklage gut fünf Monatsraten.
Wenn es doch länger dauert: Mit der Bank sprechen, bevor die erste Rate platzt. Tilgungsaussetzung oder eine vorübergehende Reduzierung des Tilgungssatzes sind gängige Instrumente — aber nur, solange das Verhältnis intakt ist.
Die drei Szenarien im Vergleich
| Berufsunfähigkeit | Todesfall | Jobverlust | |
|---|---|---|---|
| Wahrscheinlichkeit | hoch (etwa jeder Vierte) | gering | mittel |
| Dauer | oft dauerhaft | dauerhaft | meist unter 12 Monaten |
| Gesetzliche Leistung | Erwerbsminderungsrente, sehr eng definiert | Witwenrente, 55 % der Anwartschaft | ALG I, 60/67 % netto, befristet |
| Lücke im Beispiel | 1.530 € vom frei Verfügbaren | rund 1.400 € monatlich | 1.120 € vom frei Verfügbaren |
| Richtige Antwort | BU-Versicherung | Risikolebensversicherung | Rücklage |
Diese Tabelle erklärt auch, warum die übliche Reihenfolge oft verkehrt ist: Abgeschlossen wird häufig das Günstigste zuerst. Sinnvoll ist, mit dem zu beginnen, was die größte Lücke über die längste Zeit schließt.
Ihre eigenen Zahlen
Der Rechenfall ist ein Beispiel. Ihre Zahlen sehen anders aus — anderes Einkommen, andere Rate, anderer Partnerbeitrag, andere Rücklage. Der Absicherungslücken-Rechner macht dieselbe Rechnung mit Ihren Werten und zeigt Ihnen BU-Lücke, Todesfall-Lücke und die Reichweite Ihrer Rücklagen. Er läuft vollständig im Browser; es werden keine Daten übertragen.
Was ein Erstgespräch klärt
Ein Termin dauert etwa 45 Minuten und ist kostenfrei. Wir gehen durch:
- Ihre tatsächliche Monatslücke je Szenario — nicht Faustformeln, sondern Ihre Zahlen.
- Was schon da ist. Betriebliche Absicherung, Verträge aus der Ausbildungszeit, Ansprüche aus einem Versorgungswerk. Der häufigste Befund ist nicht eine Lücke, sondern doppelter Schutz an der falschen Stelle.
- Die Reihenfolge. Was zuerst, was später, was gar nicht — und welches Budget realistisch ist, wenn schon 3.400 € Fixkosten stehen.
Wenn dabei herauskommt, dass Sie ausreichend abgesichert sind, ist das ein gutes Ergebnis. Wenn herauskommt, dass ein bestehender Vertrag gekündigt gehört, ebenfalls.
Beratung auf Deutsch, Englisch und Portugiesisch — in München-Pasing, per Video oder telefonisch.