Der eine Vorteil, den Kinder haben
Vorsorge für Kinder unterscheidet sich in genau einem Punkt von jeder anderen: der Laufzeit. Alles andere — Kosten, Flexibilität, Produktwahl — funktioniert gleich. Aber achtzehn Jahre bis zur Volljährigkeit und über sechzig bis zum Ruhestand sind eine Zeitspanne, die kein Erwachsener für sich noch herstellen kann.
Was das bewirkt, lässt sich rechnen. Angenommene fünf Prozent jährlich, zwei Wege zum selben Ziel:
| 50 € ab Geburt | 150 € ab dem 15. Lebensjahr | |
|---|---|---|
| Laufzeit bis 18 | 18 Jahre | 3 Jahre |
| Eingezahlt | 10.800 € | 5.400 € |
| Endwert (5 % p. a.) | rund 17.500 € | rund 5.800 € |
| Davon Zinsertrag | rund 6.700 € | rund 400 € |
Die dreifache Rate erreicht ein Drittel des Ergebnisses. Nicht die Höhe entscheidet, sondern die Zeit — und sie ist der einzige Faktor, den man später nicht nachholen kann.
Die Frage, die vor allen anderen kommt
Auf wessen Namen läuft der Vertrag? Diese Entscheidung hat Folgen, die sich später nur schwer korrigieren lassen — und sie wird meist beiläufig getroffen.
| Vertrag auf das Kind | Vertrag auf die Eltern | |
|---|---|---|
| Wem gehört das Geld | dem Kind, endgültig | den Eltern |
| Zugriff mit 18 | das Kind entscheidet frei | Sie entscheiden, wann und wie viel |
| BAföG | wird als Vermögen des Kindes angerechnet | keine Anrechnung beim Kind |
| Familienversicherung | Kapitalerträge können die Grenze reißen | kein Einfluss |
| Steuerlich | eigene Freibeträge des Kindes nutzbar | läuft über Ihre Erklärung |
| Rückholbar | nein — Einzahlungen sind Schenkung | ja |
Der Punkt, an dem es unangenehm wird: Läuft der Vertrag auf das Kind, kann es mit 18 frei verfügen. Auch für ein Auto statt für das Studium. Rechtlich gibt es keinen Weg zurück — was eingezahlt wurde, ist geschenkt.
Das ist kein Argument gegen diese Variante. Es ist ein Argument dafür, die Entscheidung bewusst zu treffen statt nebenbei.
Die zwei Fallen, die selten genannt werden
BAföG. Auszubildende und Studierende haben einen Vermögensfreibetrag; was darüber liegt, wird auf den Bedarf angerechnet. Wer achtzehn Jahre auf den Namen des Kindes anspart, kann damit ausgerechnet in dem Moment die Förderung verkleinern, in dem das Geld gebraucht wird. Der Effekt kann größer sein als der Zinsertrag der ganzen Laufzeit.
Familienversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind Kinder kostenfrei mitversichert, solange ihre eigenen Einkünfte unter einer Grenze bleiben — und Kapitalerträge zählen dazu. Bei größeren Depots oder Guthaben ist das eine reale Grenze, die niemand erwähnt, solange die Beträge klein sind.
Beide Fallen entstehen nur, wenn das Vermögen auf den Namen des Kindes läuft. Bei Verträgen auf Ihren Namen existieren sie nicht — dafür haben Sie dort nicht die steuerlichen Freibeträge des Kindes. Es gibt keine Variante, die beides kann; man muss sich entscheiden, und zwar am Anfang.
Die konkreten Freibeträge und Grenzen ändern sich regelmäßig. Vor einer Entscheidung gehören sie im aktuellen Stand geprüft — das ist einer der Punkte, die ich im Gespräch mitbringe.
Was ein Versicherungsmantel leistet — und was er kostet
Für Kindervorsorge kommen Verträge in Frage, die als Versicherung konstruiert sind: eine Lebens- oder Rentenversicherung mit Ablauf zum Ausbildungsbeginn oder später, häufig fondsgebunden. Historisch hieß das Ausbildungsversicherung.
Dass ein solcher Vertrag fondsgebunden ist, sagt noch nichts darüber, was darin arbeitet. Auch hier haben Sie die Wahl zwischen einem aktiv gemanagten Fonds und einem kostengünstigeren ETF — beides ist als Anlageoption innerhalb der Versicherung möglich, siehe fondsgebundene Rentenversicherung. Über achtzehn Jahre macht der Kostenunterschied einen erheblichen Teil des Ergebnisses aus.
Was dafür spricht:
- Der Schutzgedanke. Viele Verträge enthalten eine Beitragsübernahme oder Zusatzleistung, wenn der einzahlende Elternteil stirbt oder berufsunfähig wird. Dann läuft die Vorsorge weiter, obwohl das Einkommen fehlt. Das kann eine Geldanlage nicht.
- Die Bindung. Was als Nachteil gilt, ist hier manchmal ein Vorteil: Ein Vertrag, an den man nicht spontan herankommt, überlebt die Waschmaschine, die kaputtgeht.
- Die Zweckbindung nach außen. Bei Verträgen mit fester Laufzeit steht das Geld zum vorgesehenen Zeitpunkt bereit.
Was dagegen spricht:
- Die Kosten. Klassische Ausbildungsversicherungen waren teuer im Verhältnis zur Leistung. Auch bei modernen fondsgebundenen Varianten gilt: Prüfen Sie die Effektivkosten — sie zeigen, um wie viele Prozentpunkte die Kosten die Rendite pro Jahr senken. Diese eine Zahl macht Angebote vergleichbar, alles andere ist Prospekt.
- Die Unbeweglichkeit über achtzehn Jahre. In dieser Zeit ändert sich viel.
Meine ehrliche Einordnung: Der Versicherungsmantel rechtfertigt sich über den Schutzteil, nicht über die Rendite. Wenn Sie ohnehin abgesichert sind und nur Kapital aufbauen wollen, ist er nicht zwingend. Wenn der Schutz mitgekauft werden soll — die Ausbildung ist auch dann finanziert, wenn Sie ausfallen —, dann hat er seinen Platz.
Die Reihenfolge, die viele umdrehen
Eltern sparen für Kinder und stellen die eigene Vorsorge zurück. Das ist verständlich und meist ein Fehler.
Der Grund ist nicht Egoismus, sondern Arithmetik: Ein Kind kann seine Ausbildung notfalls über BAföG, einen Studienkredit, einen Nebenjob oder Unterstützung finanzieren. Für Ihre Rente existiert keine dieser Möglichkeiten. Wer die eigene Vorsorge zugunsten der Kinder zurückstellt, verlagert das Problem um eine Generation — am Ende unterstützen die Kinder die Eltern, und zwar genau in den Jahren, in denen sie selbst aufbauen müssten.
Die Reihenfolge lautet deshalb:
- Eigene Absicherung — was passiert bei Berufsunfähigkeit oder Todesfall? Siehe Berufsunfähigkeit absichern und Absicherung.
- Eigene Altersvorsorge — die Lücke steht im Rentenlücken-Rechner.
- Dann die Kinder — mit dem, was übrig ist, und dafür über eine sehr lange Laufzeit.
Der dritte Punkt braucht keine großen Beträge. Die Tabelle oben zeigt: 50 Euro mit achtzehn Jahren Vorlauf schlagen 150 Euro mit drei.
Was ich im Gespräch mitbringe
Drei Dinge, die im Prospekt nicht stehen:
- Die Rechnung für Ihren Fall — welche Rate über welche Laufzeit zu welchem Ziel führt, und was die Effektivkosten davon abziehen.
- Die Namensfrage sauber durchgesprochen, mit den BAföG- und Krankenversicherungsfolgen im aktuellen Stand.
- Den Blick auf Ihre eigene Situation zuerst. Wenn dabei herauskommt, dass die Reihenfolge anders herum sinnvoll ist, sage ich das — auch wenn es bedeutet, dass der Kindervertrag ein Jahr wartet.
Zum Depot als Alternative: Eine Geldanlage ohne Versicherungsmantel ist häufig kostengünstiger und kann für den reinen Vermögensaufbau die bessere Wahl sein. Ich weise darauf hin, weil es zur ehrlichen Einordnung gehört — beraten und vermitteln kann ich im Versicherungsbereich (§ 34d) und bei Immobiliardarlehen (§ 34i).
Erstgespräch kostenfrei und unverbindlich, auf Deutsch, Englisch oder Portugiesisch — in München-Pasing, per Video oder telefonisch.