Was eine Sofortrente ist
Sie zahlen einen Einmalbetrag ein und erhalten ab dem folgenden Monat eine lebenslange Rente. Keine Ansparphase, keine Wartezeit — das Kapital ist vorhanden und wird in eine Zahlung umgewandelt.
Die Anlässe sind meist dieselben: eine Lebensversicherung wird fällig, eine Abfindung kommt, eine Immobilie ist verkauft, eine Erbschaft steht auf dem Konto. Ein sechsstelliger Betrag liegt da, und die Frage lautet: Wie wird daraus Einkommen?
Die Rechnung, die zuerst kommt
Machen wir sie offen, bevor irgendein Argument folgt. Angenommen, die jährliche Rente beträgt etwa vier Prozent des Einsatzes:
| Einmalbetrag | 200.000 € |
| Jährliche Rente (4 %) | 8.000 € |
| Monatlich | rund 667 € |
| Bis der Einsatz nominal zurückgeflossen ist | 25 Jahre |
Wer mit 67 einsteigt, erreicht diesen Punkt mit 92. Nominal, ohne Kaufkraftverlust gerechnet.
Das ist die richtige Rechnung für die falsche Frage. Sie zeigt: Als Geldanlage betrachtet ist eine Sofortrente unattraktiv. Nur ist sie keine Geldanlage.
Was Sie tatsächlich kaufen
Sie kaufen die Zusage, dass die Zahlung nicht endet — auch nicht mit 95, auch nicht mit 100.
Warum das etwas wert ist, zeigt der Vergleich mit der Alternative. Mit 200.000 Euro im Depot müssen Sie entscheiden, wie viel Sie monatlich entnehmen. Diese Entscheidung braucht eine Zahl, die niemand kennt: wie lange Sie leben.
- Entnehmen Sie 1.000 € monatlich und werden 95, ist das Kapital lange vorher weg.
- Entnehmen Sie 500 €, um sicher zu sein, leben Sie ärmer als nötig — und hinterlassen Geld, das Sie sich am Munde abgespart haben.
Fachlich heißt das Langlebigkeitsrisiko. Ein Versicherer kann es tragen, weil er es über viele Versicherte ausgleicht: Wer früh stirbt, finanziert den mit, der 100 wird. Genau dafür zahlen Sie — nicht für Rendite, sondern für die Abwesenheit dieser Frage.
Daraus folgt eine klare Zuordnung:
| Zweck | Passender Weg |
|---|---|
| Grundbedarf — Wohnen, Nebenkosten, Lebensmittel, Gesundheit | verrenten, weil es nicht ausfallen darf |
| Alles darüber — Reisen, Rücklagen, was vererbt werden soll | im Entnahmeplan halten, flexibel |
Wie groß der erste Block ist, ergibt sich aus Ihrer Rentenlücke. Der Rentenlücken-Rechner nennt die Zahl — und zieht dabei die Sozialabgaben ab, die andere Rechner übergehen.
Der Steuervorteil, der oft den Unterschied macht
Hier liegt das stärkste sachliche Argument, und es wird selten deutlich erklärt.
Bei einer Sofortrente aus versteuertem Vermögen wird nur der Ertragsanteil besteuert. Er richtet sich nach dem Alter bei Rentenbeginn und gilt dann dauerhaft:
| Rentenbeginn | Steuerpflichtiger Ertragsanteil | Steuerfrei |
|---|---|---|
| mit 60 | 22 % | 78 % |
| mit 65 | 18 % | 82 % |
| mit 67 | 17 % | 83 % |
Von 667 Euro Monatsrente sind bei Beginn mit 67 also rund 113 Euro steuerlich relevant — und auch die nur, soweit Ihr Gesamteinkommen über dem Grundfreibetrag liegt.
Zum Vergleich: Erträge aus einem Depot unterliegen der Abgeltungsteuer auf den vollen Gewinn. Bei größeren Beträgen kann dieser Unterschied die schwache Nominalrechnung von oben teilweise ausgleichen.
Ob es in Ihrem Fall aufgeht, hängt an Ihrer Gesamtsituation — Ehegattensplitting, weitere Einkünfte, Grundfreibetrag. Das ist eine Frage für Ihren Steuerberater, und ich sage das nicht aus Vorsicht: Es ist wirklich seine Zuständigkeit, nicht meine.
Was beim Todesfall passiert
Der unbequeme Teil, offen benannt: Ohne Zusatzvereinbarung bleibt das Restkapital beim Versicherer. Genau das finanziert die lebenslange Zahlung der anderen.
Wer das nicht will, kann eine Rentengarantiezeit vereinbaren — stirbt die versicherte Person vorher, läuft die Zahlung an die Hinterbliebenen weiter oder das Restkapital wird ausgezahlt. Auch eine Hinterbliebenenrente ist möglich.
Beides kostet Rentenhöhe. Die Entscheidung ist deshalb eine echte Abwägung und keine Formalie: Je mehr Sie für den Todesfall absichern, desto weniger bleibt für das Leben. Wer die Rente für den eigenen Grundbedarf braucht, sollte hier zurückhaltend sein. Wer vor allem an die Erben denkt, ist mit der Sofortrente ohnehin beim falschen Produkt.
Wann ich abrate
Vier Situationen, in denen ich von einer Verrentung abrate:
- Das Kapital ist Ihre einzige Reserve. Was verrentet ist, ist gebunden. Für Pflege, Umbau oder Reparaturen braucht es Geld, an das man herankommt.
- Sie haben eine deutlich verkürzte Lebenserwartung zu erwarten. Dann arbeitet die Konstruktion gegen Sie. In dieser Lage ist ein Entnahmeplan fast immer besser.
- Die Erben stehen im Vordergrund. Dafür ist das Produkt nicht gebaut.
- Es geht um kleine Beträge. Bei niedrigen Summen ist die Monatsrente so klein, dass der Aufwand die Wirkung nicht rechtfertigt — dann ist ein Tagesgeldkonto ehrlicher.
Was der Ertrag ausmacht
Wenn Sie Angebote vergleichen, entscheiden zwei Werte, nicht die Beispielrechnung auf dem Deckblatt:
Die garantierte Rente je 10.000 Euro Einsatz. Diese Zahl macht Angebote direkt vergleichbar. Achten Sie auf das Wort garantiert — daneben steht oft eine höhere „mögliche" Rente inklusive unverbindlicher Überschüsse.
Die Kostenquote. Bei Einmalbeträgen wirken Abschlusskosten sofort und in voller Höhe auf das eingesetzte Kapital. Bei sechsstelligen Summen ist das kein Detail.
Abgrenzung: nicht dasselbe wie Immobilienverrentung
Zwei Dinge werden häufig verwechselt:
- Sofortrente — Sie verrenten Geld. Die Immobilie ist verkauft oder war nie im Spiel.
- Immobilienverrentung (Leibrente, Teilverkauf, Umkehrhypothek) — Sie übertragen die Immobilie gegen Rente und behalten ein Wohnrecht.
Das zweite ist ein grundlegend anderes Geschäft mit eigenen Risiken: Bewertungsfragen, Instandhaltungspflichten, Ausgestaltung des Wohnrechts, Erbenkonflikte — die Modelle und ihre Kosten stehen auf der eigenen Seite dazu. Dort gilt: Der erste Ansprechpartner ist ein Notar und eine unabgeleitete Bewertung — nicht ein Vermittler.
Wenn Sie über den Verkauf einer Immobilie nachdenken und danach Einkommen brauchen, gehören beide Schritte trotzdem in ein Gespräch: erst der Verkauf, dann die Frage, was mit dem Erlös passiert.
Wie ich vorgehe
Ich rechne beide Wege nebeneinander: Verrentung und Entnahmeplan, mit Ihren Zahlen und Ihrer Steuersituation als Rahmen. Häufig ist das Ergebnis eine Aufteilung — ein Teil verrentet für den Grundbedarf, der Rest verfügbar.
Und wenn dabei herauskommt, dass für Ihren Fall ein Entnahmeplan besser passt, sage ich das. Das kostet mich den Abschluss und erspart Ihnen eine Bindung, die nicht zu Ihrer Lage gehört.
Ins Erstgespräch bringen Sie mit: den zu verrentenden Betrag, Ihre laufenden Fixkosten, die Renteninformation und einen Überblick über Ihr sonstiges Vermögen — vor allem darüber, was liquide bleibt.
Erstgespräch kostenfrei und unverbindlich, auf Deutsch, Englisch oder Portugiesisch — in München-Pasing, per Video oder telefonisch.