Was eine private Rentenversicherung ist
Sie ist ein Vertrag, der aus Ihren Beiträgen Kapital aufbaut und dieses Kapital ab einem vereinbarten Alter in eine monatliche Zahlung umwandelt — lebenslang, gleichgültig wie alt Sie werden. Das ist die eine Eigenschaft, um die es im Kern geht. Alles andere ist Ausgestaltung.
Und über genau diese Ausgestaltung wird gestritten. Wer zu diesem Thema recherchiert, landet zwischen zwei Positionen: Die Verbraucherzentralen führen das Produkt als „zur Altersvorsorge nicht die erste Wahl“. Die Anbieter nennen private Vorsorge „unerlässlich“. Beide Seiten argumentieren nicht falsch — sie sprechen über verschiedene Dinge.
Die Kritik, ernst genommen
Drei Einwände, die zutreffen:
Die Kosten. Abschluss- und Verwaltungskosten senken die Rendite, besonders in den ersten Jahren, in denen der Zinseszins am wertvollsten wäre. Bei einem kostengünstigen Sparplan bleibt mehr vom Ertrag übrig. Das ist arithmetisch nicht zu bestreiten.
Die Bindung. Wer nach fünf Jahren kündigt, bekommt in der Regel weniger heraus, als er eingezahlt hat. Lebensläufe ändern sich häufiger als Vertragslaufzeiten von 30 Jahren.
Die Undurchsichtigkeit. Rentenfaktor, Überschussverwendung, Garantieniveau — drei Begriffe, die über das Ergebnis entscheiden und selten auf der ersten Seite eines Angebots stehen.
Was daraus folgt: Für den reinen Vermögensaufbau ist das Produkt selten die günstigste Wahl. Wer 200 Euro monatlich anlegen will, um in 25 Jahren möglichst viel Kapital zu haben, hat andere Wege.
Der Vorteil, den kein Sparplan hat
Jetzt der Punkt, den die Kritik regelmäßig übergeht: Ein Depot kann leer werden. Eine lebenslange Rente nicht.
Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit und ist eine der schwierigsten Aufgaben der ganzen Finanzplanung. Wenn Sie mit 67 in Rente gehen und ein Depot haben, müssen Sie entscheiden, wie viel Sie monatlich entnehmen. Diese Entscheidung setzt eine Zahl voraus, die niemand kennt: wie lange Sie leben.
- Entnehmen Sie zu viel und werden 95, ist das Geld mit 88 weg.
- Entnehmen Sie zu wenig, leben Sie ärmer als nötig und hinterlassen ein Vermögen, das Sie sich erspart haben.
Fachlich heißt das Langlebigkeitsrisiko, und eine Versicherung kann es tragen, weil sie es über viele Versicherte ausgleicht: Wer früh stirbt, finanziert den mit, der 100 wird. Das ist keine Rendite — es ist eine Versicherung. Und es ist der einzige Grund, der die Kosten trägt.
Daraus folgt die eigentliche Antwort. Nicht „ja“ und nicht „nein“, sondern eine Aufteilung:
| Bedarf | Passender Weg |
|---|---|
| Grundversorgung — Wohnen, Nebenkosten, Lebensmittel, Gesundheit | lebenslang gesichert, planbar |
| Alles darüber — Reisen, Hobbys, Rücklagen, was Sie vererben wollen | flexibel und kostengünstig |
Wie groß der erste Block ist, ergibt sich aus Ihrer Rentenlücke — der Rentenlücken-Rechner nennt die Zahl. Wer 949 Euro Lücke hat, muss nicht 949 Euro verrenten: Ein Teil davon kann aus flexiblem Vermögen kommen.
Was zuerst kommt
Bevor es überhaupt um Vorsorge geht, eine Reihenfolgefrage, die häufig übersprungen wird:
- Was der Arbeitgeber bezuschusst. Wo ein Zuschuss fließt, verdoppelt sich Ihr Einsatz, bevor eine Rendite ins Spiel kommt.
- Der Schutz des Einkommens, aus dem alle Beiträge kommen. Etwa jeder vierte Arbeitnehmer wird berufsunfähig, im Schnitt mit 48 Jahren (Deutsche Aktuarvereinigung). Das beendet nicht nur das Gehalt, sondern gleichzeitig jeden Sparplan. Details unter Berufsunfähigkeit absichern.
- Dann die Frage nach dem Produkt.
Wer bei Punkt 3 anfängt, baut ein Haus ohne Dach.
Die drei Zahlen, auf die es ankommt
Wenn Sie Angebote vergleichen, entscheiden nicht die Hochrechnungen auf der Titelseite, sondern drei Werte:
1. Die Effektivkosten. Jeder Anbieter muss angeben, um wie viele Prozentpunkte die Kosten die Rendite pro Jahr senken. Diese eine Zahl macht Angebote vergleichbar. Sie ist wichtiger als jede Renditeprognose, weil sie feststeht, während die Prognose eine Annahme ist.
2. Der garantierte Rentenfaktor. Er sagt, wie viel monatliche Rente Sie je 10.000 Euro Kapital erhalten. Achten Sie auf das Wort garantiert — daneben steht oft ein höherer, unverbindlicher „aktueller“ Faktor. Nur der garantierte gilt sicher. Bei zwei sonst gleichen Angeboten entscheidet dieser Wert über Hunderte Euro im Monat.
3. Die Flexibilität im Kleingedruckten. Können Beiträge ausgesetzt werden, wenn ein Jahr schwierig wird? Lässt sich zwischen Rente und Kapital wählen, und bis wann? Gibt es eine Erhöhungsoption ohne neue Prüfung? Diese Klauseln entscheiden, ob der Vertrag ein Lebensleben durchhält.
Was im Vertrag eigentlich arbeitet
Eine Frage, die in der Grundsatzdebatte regelmäßig untergeht: Wo landet das Geld überhaupt? Bei den heute üblichen fondsgebundenen Verträgen entscheiden Sie das — und zwar zwischen zwei Wegen, die beide im selben Vertrag möglich sind:
- ein aktiv gemanagter Fonds, bei dem ein Fondsmanagement laufend über die Zusammensetzung entscheidet,
- oder ein ETF, der einem Index folgt und bei den laufenden Anlagekosten in der Regel deutlich günstiger ist.
ETFs sind also keine Alternative zur Versicherung, sondern eine Anlageoption innerhalb der Versicherung. Das ist der häufigste Irrtum in Gesprächen zu diesem Thema. Und die Entscheidung ist nicht endgültig: Ein Wechsel zwischen den Anlagen innerhalb der Police löst keine Steuer aus — im freien Depot ist jede Umschichtung ein steuerpflichtiger Verkauf.
Wie sich die beiden Varianten unterscheiden, wie der Mantel steuerlich wirkt und ab welchen Mehrkosten sein Steuervorteil aufgebraucht ist, steht ausgerechnet unter fondsgebundene Rentenversicherung: Fonds oder ETF.
Wann ich abrate
Damit es konkret ist — vier Situationen, in denen ich von einem Abschluss abrate:
- Sie brauchen das Geld möglicherweise vorher. Immobilienkauf, Ausbildung der Kinder, Sabbatical. Dann ist Verfügbarkeit wichtiger als lebenslange Zahlung.
- Die Berufsunfähigkeit ist nicht abgesichert. Erst das Einkommen, dann das Sparen.
- Die Rate ist zu hoch angesetzt. Ein Vertrag, der nach drei Jahren gekündigt wird, ist teurer als keiner. Lieber klein anfangen und die Erhöhungsoption nutzen.
- Es existiert schon ein ähnlicher Vertrag. Der häufigste Befund in meinen Gesprächen sind nicht Lücken, sondern drei Verträge aus drei Lebensphasen, die zusammen weniger leisten als gedacht.
Und wenn der Anbieter insolvent wird?
Eine Frage, die oft gestellt und selten beantwortet wird. Für Lebens- und Rentenversicherungen gibt es die Sicherungseinrichtung Protektor: Sie übernimmt die Verträge eines insolventen Versicherers und führt sie weiter. Reicht ihr Vermögen nicht, schießen die Mitgliedsunternehmen nach. Erst in extremen Fällen können Ansprüche um bis zu fünf Prozent gekürzt werden.
Ein Totalverlust ist also nicht das realistische Szenario. Die tatsächlich relevanten Risiken sind unspektakulärer: zu hohe Kosten und die eigene Kündigung zum falschen Zeitpunkt.
Wie ich vorgehe
Erst die Lücke, dann die Aufteilung, dann das Produkt. Im Erstgespräch schauen wir uns an, was schon vorhanden ist — Renteninformation, betriebliche Vorsorge, bestehende Verträge, Immobilie. Häufig ist die Lücke kleiner als befürchtet, und häufig ist der richtige nächste Schritt kein neuer Vertrag, sondern das Aufräumen der alten.
Wenn am Ende herauskommt, dass ein kostengünstiger Sparplan für Ihren Fall besser passt, sage ich das. Das kostet mich einen Abschluss und Ihnen erspart es einen Vertrag, der nicht passt.
Erstgespräch kostenfrei und unverbindlich, auf Deutsch, Englisch oder Portugiesisch — in München-Pasing, per Video oder telefonisch.